Wenn schon Prozessmanagement – mit wem?
Der DAZ/BUZ hat sich vehement für Qualitätsmanagement und -kontrolle einsetzt, aber immer im Sinne von Ergebnisqualität in der Patientenbetreuung. Das Qualitätsprojekt des DAZ ist völlig auf diese Ergebnisqualität ausgerichtet. Die Prozesse, die zu einem guten Ergebnis führen, sind aus unserer Sicht allein dadurch gerechtfertigt.
Die Richtlinien, die jetzt ein betriebsinternes Qualitätsmanagement verlangen, sind sehr offen formuliert. Es ist allerdings herauszulesen, dass Anteile eines einfachen Prozessmanagements erwartet werden – wenigstens bezogen auf die ohnehin durch Sicherheitsvorgaben geregelten Bereiche.
Ich habe mir verschiedene Qualitätsmanagement-Systeme angesehen, um eine Empfehlung für eine evtl. gewünschte Ergänzung unseres Projektes zu geben. Die Auswahl war ohne Anspruch auf Vollständigkeit und abhängig von Umständen und Zufällen.
Spitta-Verlag Qualitätsmanagement für die Zahnarztpraxis
WEKA MEDIA QM in der Zahnarztpraxis
ZÄK-Westfahlen-Lippe PMZ
KZVNiedersachsen QM-Navi
Schattauer Verlag Kolling/Muhle: Qualitätsmanagement in der Zahnarztpraxis
Qualitätsmanagement Verlag Seiler Musterqualitätshandbuch für Zahnarztpraxen
Kock&Voeste / KZVBerlin Qualitätsmanagement
Gesucht habe ich nach einem einfachen, übersichtlichen, praxisgerechten System für die minimalistische Erfüllung einer Verpflichtung, die ich eigentlich ablehne. Ich habe nichts gegen gut strukturierte Abläufe, Effizienz und Regelsicherheit. Das kann sehr vorteilhaft und nützlich sein. Das Ausmaß von Durchverlistung, das momentan von interessierter Seite als erforderlich propagiert wird, birgt allerdings eher die Gefahr einer Deprofessionalisierung. Ich wehre mich insbesondere gegen derartige “prozessverbessernde” Zwangsbeglückung.
Das System der KZVN kommt dem von mir gewünschten sehr nahe. Es verzichtet auf alle prozesstheoretischen und marketingmäßigen “Neusprech”- Hüllen. Es greift einige exemplarische Prozesse auf und bietet durchgearbeitete Vorlagen dafür an. Leider wird für die Rubrik “Steri” nur auf Richtlinien und andere Veröffentlichungen der Kammer verwiesen. Es gibt ein Handbuch auf Papier mit den Vorlagen. Die CD für die Individualisierung der Vorlagen ist sehr übersichtlich und erfordert keine besondere Computerintelligenz.
Ähnlich gut gefällt mir das System aus Westfahlen-Lippe. Es ist noch einfacher gegliedert. Allerdings finde ich die CD recht unübersichtlich, wie auch die einzelnen Vorlagen. Das ist aber sicher weitgehend eine Geschmacksfrage.
Beide Systeme bieten Steigerungsmöglichkeiten über die Basisversion hinaus bis hin zur vollständigen Zertifizierung – ganz nach den Bedürfnissen des jeweiligen Nutzers.
Die Systeme von Spitta-Verlag, Weka MEDIA, Schattauer und Seiler Verlag zielen von vorn herein auf die Zertifizierung ab. Eine kleinere Lösung muss sich der Benutzer hier selber zusammenstellen. Das ist unterschiedlich mühsam. Das mit Abstand beste Werk im Sinne von Lesbarkeit, Übersichtlichkeit, Vollständigkeit, Praxisnähe und Handhabbarkeit ist für mich das System von WeKa.
Das System von Seiler erfüllt alle diese Anforderungen am wenigsten. Es scheint nicht aus der Zahnarztpraxis für die Zahnarztpraxis zu sein, sondern vom Schreibtisch für die Verwaltung. Es gibt viel von dem Management- Neusprech und relativ wenig praxisgerechte, direkt anwendbare Vorlagen. Es handelt sich mehr um Schemata als um individualisierbare Vorlagen.
Das System von Spitta ist rein elektronisch. Es gibt kein Handbuch auf Papier. Alle Vorlagen und Anleitungen zur Handhabung des Systems sind nur über Navigation am Computer zu haben. Die CD ist recht gut strukturiert, aber die Übersicht in der Hand wird vermutlich von manchem Nutzer vermisst. Die Formularvorlagen sind umfangreich und praxisnah aber im allgemeinen, nicht die konkrete Behandlung betreffenden Teil nicht ganz umfassend.
Das System von Kolling/Muhle ist in der Anleitung gut und angenehm geschrieben und das Buch ist übersichtlich. Die Realität der Zahnarztpraxis ist gut abgebildet. Die Formularvorlagen sind umfangreich und sinnvoll aber auch hier hätte ich mir die Vorlagen im allgemeinen Teil z.B. MedGeräteverordnung noch detaillierter gewünscht, um immer eine Vorlage für alle Fälle zu finden .
Das Produkt der KZV Berlin/Kock&Voeste ist weder eine Basisversion noch ein Zertifizierungsinstrument. Nach der Inhaltsgabe erwartet der Leser ein komplexes Zertifizierungshandbuch und in den kommentierenden Darstellungen wird ein großer Strauß von Formularvorlagen angekündigt, aus dem jeder für seine Bedürfnisse das passende zusammenstellen könne. In der Realität finden sich hinter den Schlagworten des Inhaltsverzeichnisses nur sehr wenige ausgearbeitete Vorlagen. Es überwiegen die leeren Formularschemata. Es gibt kein Vorlagenbuch auf Papier für den Überblick. In dem Handbuchordner sind nur Installationshinweise zu finden.
In Ergänzung zu dem KZVB- QM hat der Verband der Zahnärzte von Berlin als Gemeinschaftsarbeit von Zahnärzten eine Sammlung von Ausarbeitungen erstellt. Das Grundprodukt war offensichtlich dieser Ergänzungen bedürftig.
Dr. Celina Schätze
