Sonderbare Stellungnahmen zu einem denkwürdigen Wahlergebnis

 

Sehr geehrte Frauen Kolleginnen, sehr geehrte Herren Kollegen,

die Wahl 2012 zur Zahnärztekammer Berlin ist gelaufen.

Sie kennen das Ergebnis.

Gewählt haben nur 2062 von 5348 Kammerangehörigen der Berliner Zahnärztekammer. Damit war die Wahlbeteiligung mit 38,56 % so niedrig wie noch nie.

Von den abgegebenen Stimmen waren 339 ungültig, da sie die rechtlichen Formerfordernisse nicht erfüllten (z.B. Wahlschein im gemeinsamen Umschlag mit Stimmzettel oder der Wahlschein fehlte ganz). Diese Wahlbriefe durften entsprechend der Wahlordnung nicht geöffnet werden. In den regulär geöffneten Stimmzettelbriefen waren (nur) noch weitere 6 Stimmabgaben ungültig.

Die Zahl der ungültigen Stimmen hat sich gegenüber der letzten Wahl fast versiebenfacht!

Wer kann das erklären?

Als erster hat es der Verband der Zahnärzte von Berlin versucht:

  • Die hohe  Anzahl von ungültigen Stimmen (345), sind sicher ein Ausdruck des Protestes gegen den Zusammenschluss des Oppositionsblocks.

Da stellt sich doch die Frage: Woher weiß der Verband, dass die, die ihre Wahlbriefe ungültig gemacht haben, frühere Oppositionsparteien gewählt hätten, wenn diese sich nicht zu einem Block zusammengeschlossen hätten?

Besonders „bemerkenswerte“ Wahleinschätzungen gab auch der amtierende Präsident der Zahnärztekammer ab:

  • Die Basis interessiert sich eher wenig für die Arbeit ihrer Zahnärztekammer und fühlt sich nicht angesprochen, sich durch Wahlstimmen an der Gestaltung zu beteiligen. (Schmiedel)

oder noch „origineller“:

  • Man könnte auch die Alltagserfahrung berücksichtigen, dass sich in der Regel nicht meldet, wer eigentlich ganz zufrieden ist, sondern eher diejenigen, die etwas verändern wollen. So gesehen ist eine niedrige Wahlbeteiligung auch ein Signal an den Vorstand, dass dieser mit seiner Arbeit eine grundsätzliche Zufriedenheit ausgelöst hat. (Schmiedel)

Nur der Vorstandsvorsitzende der KZV brachte seine Genugtuung und Erleichterung über das (nach)denkwürdige Wahlergebnis in einem Leitartikel im Mitteilungsblatt der Berliner Zahnärzte (MBZ)  zum Ausdruck.

Mit einer nachträglichen Verunglimpfung der Union 2012 und in beeindruckender zeitlicher Nähe zur Stimmauszählung, freute er sich zu vermelden:

  • Die bekannten Wutbürger können nun ihre Empörungs- und Entrüstungszeremonien bis zur nächsten Wahl einstellen. (Husemann)

Von der immerhin bemerkenswerter Erkenntnis des  Vorsitzenden des Verbandes der Zahnärzte von Berlin (VdZvB), dass das Wahlergebnis uns allen „Gewissensbiss“ (Kopp) sein sollte, ist bei ihm nichts zu lesen.

Haben Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, eine bessere Erklärung?

Halten auch Sie es für denkbar, dass sich die Zahl der Kolleginnen und Kollegen, die nicht in der Lage sind, eine genauestens beschriebene Wahlanleitung nachzuvollziehen, sich seit der Kammerwahl 2008 versiebenfacht hat? Das wäre dann allerdings in der Tat deprimierend.

 

Dr. H. Dohmeier-de Haan

1 Kommentar

  1. Dr. J. Wetzel says:

    Ja, das war schon lustig zu lesen, das die niedrige Wahlbeteiligung einAusdruck der Zufriedenheit sei… soll man lachen oder weinen?
    Aber bei den letzten Landtagswahlen konnte ich keine Zahl zur Wahlbeteiligung lesen- das interessiert unsere Politiker offenbar nicht, hauptsache wieder einen Sitz im Parlament (Sitzaufteilung wird auf 100% hochgerechnet).
    Ich habe den Eindruck, dass dies auch für viele unserer “Stammesfürsten” zutrifft. Wofür ist die Kammer und die KZV da, für die Zahnärzte- und nicht umgekehrt!
    Weiter so wie bisher dürfte der falsche Weg sein.
    Das MBZ 1-2013 war sowieso sehr voll von Lobdudelei und sehr viel, zu viel Werbung.

    Danke für die Neuigkeiten per E-mail.

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