Wednesday, 28. December 2011 16:02
Berliner Zeitung, 27.12.2011
“Für Politiker gelten höhere Maßstäbe”
Berlin – Mario Czaja (CDU) über den Fehlstart der Koalition, die Gesundheitswirtschaft und die innere Einheit.
Sie haben das Justizressort übernommen, nachdem Michael Braun zurücktreten musste. Teilen Sie die Einschätzung, er sei das Opfer einer Kampagne geworden?
Antwort: “Die Auseinandersetzung ist sehr intensiv geführt worden. Es hat sich dabei erneut gezeigt, dass Politiker besonders im Licht der Öffentlichkeit stehen und für sie höhere Maßstäbe gelten, als beispielsweise für Führungskräfte in der Wirtschaft.”
- Mit anderen Worten: Bitte die Kirche im Dorf lassen. Die Führungskräfte in der Wirtschaft treiben es noch schlimmer.
Braun erhält für nur zwölf Tage als Senator 50 000 Euro Übergangsgeld. Ist das gerechtfertigt? Sollte diese Regelung geändert werden?
Antwort: “Aus der Sicht der Bürger ist es nicht nachvollziehbar, weshalb ein Übergangsgeld für einen solch kurzen Zeitraum gezahlt wird. Und ich verstehe diese Sichtweise.”
- Mit anderen Worten: Ich habe verstanden was der Bürger meint. Aber ob ich das genauso sehe lasse ich mal offen.
Die Vorstände der Kassenärztlichen Vereinigung haben sich großzügige Übergangsgelder genehmigt. Sollen Sie das Geld zurückzahlen?
Antwort: “Laut Satzung darf das Geld nur gezahlt werden, wenn der Übergang eines ausscheidenden Funktionärs zurück in seine normale Arzttätigkeit ab gefedert werden soll. Das war hier nicht der Fall, der Vorstand wurde wiedergewählt. Deshalb verlange ich eine Rückzahlung der Bezüge. Die Rechtsaufsicht prüft den Vorgang derzeit sehr intensiv.”
- Mit anderen Worten: Intensive Prüfungen dauern lange. Und bei der derzeitigen Unterbesetzung der zuständigen Prüfabteilung, kann das eine ganz lange Bank werden.
Macht sich im Sozialbereich eine Selbstbedienungsmentalität breit?
Antwort: “Bei der Erbringung von Sozialleistungen hat es Wildwuchs gegeben, wie der Skandal um die Treberhilfe zeigte. Erste Schlussfolgerungen wurden gezogen. Eine Bundesratsinitiative wurde von Rot-Rot gestartet, die in der Länderkammer einstimmig beschlossen wurde. Die Prüfmöglichkeiten sollen danach verbessert werden. Bisher durfte nur einvernehmlich mit den Trägern geprüft werden, künftig soll der Sozialhilfeträger – also hier meine Verwaltung – verdachtsunabhängig prüfen können. Das werden wir gründlich tun.”
- Mit anderen Worten: Gründliche Prüfungen dauern lange. Und bei der…s.o.
Rot-rot hat den Öffentlichen Gesundheitsdienst stark gekürzt. Das wollen Sie rückgängig machen. Wie?
Antwort: Im Öffentlichen Gesundheitsdienst wurde leider ohne fundierte analytische Aufgabenkritik (!) gekürzt, zudem besteht ein Besetzungsproblem der offenen Stellen… Dazu bin ich mit den Verbänden im Gespräch.
- Mit anderen Worten: Und wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründe ich einen Arbeitskreis.
Frage: Geht es eigentlich noch nichtssagender ?